Nationale Befreiungsbewegung Deutschland

17. Juli 1945

Erste Plenarsitzung

Churchill:
Wer soll auf unserer Konferenz den Vorsitz führen?
Stalin:
Ich schlage den Präsidenten der USA, Truman, vor.
Churchill:
Die englische Delegation unterstützt diesen Vorschlag.
Truman:
Ich übernehme den Vorsitz dieser Konferenz.
Ich gestatte mir, mehrere Fragen aufzuwerfen, die sich vor unserer Begegnung angesammelt haben und dringend einer Erörterung bedürfen. Dann wollen wir die Tagesordnung selbst beraten.
Churchill:
Wir werden die Möglichkeit haben, Ergänzungen zur Tagesordnung einzubringen.
Truman:
Eine der brennendsten Aufgaben ist gegenwärtig die Schaffung irgendeines Mechanismus zur Regelung des Problems der Friedensverträge, sonst wird sich die Wirtschaft in Europa in Zukunft zum Schaden der Sache der Alliierten und der ganzen Welt entwickeln.
Die Erfahrung der Versailler Konferenz nach dem ersten Weltkrieg lehrt, dass eine Friedenskonferenz, wenn sie nicht vorher von den Siegermächten vorbereitet wird, mit sehr viel Mängeln behaftet sein kann. Eine Friedenskonferenz ohne vorherige Vorbereitung tagt in der gespannten Atmosphäre miteinander im Streit liegender Parteien, was sich zwangsläufig auf die Ausarbeitung der Konferenzbeschlüsse auswirkt.
Ich schlage deshalb, ausgehend von den Erfahrungen der Versailler Konferenz, vor, gleich jetzt einen Rat der Außenminister zu bilden, dem die Minister Großbritanniens, der UdSSR, der USA, Frankreichs, Chinas angehören, das heißt die ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen, der auf der Konferenz in San Francisco gebildet wurde. Dieser Ministerrat zur Vorbereitung der Friedenskonferenz muss so bald als möglich nach unserem Treffen zusammentreten. In diesem Geiste und auf dieser Linie habe ich den Entwurf über die Bildung des Rates der Außenminister zur Vorbereitung der Friedenskonferenz abgefasst, der Ihnen zur Prüfung überreicht wurde.
Churchill:
Ich schlage vor, diese Frage unseren Außenministern zu übergeben, die darüber beraten und uns auf der nächsten Sitzung Bericht erstatten werden.
Stalin:
Einverstanden. Mir ist nur die Teilnahme des Außenministers Chinas in diesem Rat unklar. Es geht doch wohl um europäische Probleme? Inwiefern ist da die Teilnahme eines Vertreters Chinas angebracht?
Truman:
Diese Frage können wir nach dem Bericht der Außenminister erörtern.
Stalin:
Gut.
Truman:
Über den Kontrollrat für Deutschland. Dieser Rat soll seine Arbeit so schnell als möglich, entsprechend dem bereits geschlossenen Abkommen, aufnehmen. Zu diesem Zweck lege ich Ihnen einen Entwurf zur Erörterung vor, der Grundsätze enthält, die unserer Meinung nach richtungweisend für die Arbeit dieses Kontrollrates sein sollen.
Churchill:
Ich hatte keine Möglichkeit, dieses Dokument zu lesen, aber ich werde es mit großer Aufmerksamkeit und Wertschätzung lesen, und dann könnte das Dokument beraten werden. Diese Frage ist so umfassend, dass sie nicht an die Außenminister zur Erörterung überwiesen werden sollte, vielmehr müssen wir selbst sie prüfen und beraten und sie dann im Bedarfsfalle an die Minister übergeben.
Truman:
Wir könnten diese Frage morgen beraten.
Stalin:
Wir können diese Frage auch morgen beraten. Die Minister könnten sich damit schon vorher vertraut machen, was nicht stört, da wir selbst uns parallel mit dieser Frage vertraut machen werden.
Churchill:
Für unsere Minister reichen bereits die Aufgaben aus dem ersten Dokument. Vielleicht könnte man ihnen dann morgen auch diese Frage übergeben?
Stalin:
Gut, übergeben wir sie also morgen.
(Truman verliest den Inhalt eines Memorandums, in dem es heißt, dass die drei Mächte mit den Beschlüssen in der Erklärung von Jalta über das befreite Europa eine Reihe von Verpflichtungen gegenüber den befreiten Völkern Europas und den ehemaligen Vasallen Deutschlands übernommen haben. Diese Beschlüsse sehen bei der Lösung der politischen und wirtschaftlichen Probleme im befreiten Europa eine abgestimmte Politik der drei Mächte und ihr gemeinsames Vorgehen auf demokratischer Grundlage vor.)
Truman:
Nach der Konferenz von Jalta wurden Verpflichtungen, die wir in der Erklärung über das befreite Europa übernommen haben, nicht erfüllt. Nach Ansicht der Regierung der USA wird eine weitere Nichterfüllung dieser Verpflichtungen in der ganzen Welt als Zeichen für die fehlende Einheit unter den drei Großmächten gewertet werden und das Vertrauen in die Aufrichtigkeit und Einheitlichkeit der Ziele der Vereinten Nationen erschüttern. Daher schlägt die Regierung der USA vor, auf dieser Konferenz die Erfüllung der Verpflichtungen aus dieser Erklärung lückenlos zu vereinbaren.
Die drei großen alliierten Staaten müssen sich unbedingt für eine sofortige Umbildung der gegenwärtigen Regierungen Rumäniens und Bulgariens im völligen Einklang mit Punkt c) im dritten Absatz der Erklärung über das befreite Europa aussprechen. Es müssen unverzüglich Konsultationen erfolgen zur Ausarbeitung eines entsprechenden Verfahrens, das für die Umbildung dieser Regierungen unerlässlich ist und die Teilnahme von Vertretern aller namhaften demokratischen Gruppen gewährleistet. Nachdem die Umbildung dieser Regierungen erfolgt ist, können die diplomatische Anerkennung durch die alliierten Mächte und der Abschluss der entsprechenden Verträge erfolgen.
Entsprechend den im dritten Absatz Punkt d) der Erklärung über das befreite Europa dargelegten Verpflichtungen der drei Mächte müssen die Regierungen der drei Mächte beraten, wie man die provisorischen Regierungen am besten bei ihrer Arbeit zur Durchführung freier Wahlen ohne Beeinflussung unterstützen könnte.
Eine der wichtigsten Aufgaben, die vor uns stehen, ist die Festlegung unserer Haltung gegenüber Italien. Ich hoffe, dass die Konferenz, angesichts der Tatsache, dass Italien kürzlich Japan den Krieg erklärt hat, es für möglich halten wird, sich damit einverstanden zu erklären, Italien in der Frage der Mitgliedschaft in der Organisation der Vereinten Nationen zu unterstützen. Die Außenminister könnten dazu eine entsprechende Erklärung im Namen der Regierungen der Vereinten Nationen ausarbeiten.
Ist es notwendig, dieses Dokument vollständig vorzulesen? Haben Sie Zeit?
Churchill:
Herr Präsident, das sind sehr wichtige Fragen, und wir benötigen Zeit, um sie zu beraten. Es geht darum, dass wir in diesen Fragen eine unterschiedliche Haltung haben. Italien hat uns im schwersten Augenblick überfallen, als es Frankreich hinterrücks angriff. Wir haben in Afrika zwei Jahre gegen Italien gekämpft, bevor Amerika in den Krieg eintrat, und wir hatten schwere Verluste. Wir mussten sogar Kräfte des Vereinigten Königreichs aufs Spiel setzen, mussten unsere Verteidigung im Vereinigten Königreich schwächen, um Truppen nach Afrika zu entsenden. Wir hatten schwere Seegefechte im Mittelmeer. Wir hegen die besten Absichten gegenüber Italien und haben dies unter Beweis gestellt, indem wir ihm seine Schiffe beließen.
Stalin:
Das ist sehr gut, aber wir sollten uns heute auf die Aufstellung der Tagesordnung samt Zusatzpunkten beschränken. Nachdem die Tagesordnung festgelegt ist, kann man zur substantiellen Erörterung jeder beliebigen Frage übergehen.
Truman:
Ich bin völlig einverstanden.
Churchill:
Ich bin dem Präsidenten sehr dankbar, dass er diese Diskussion eröffnet und damit einen großen Beitrag zu unserer Arbeit geleistet hat, aber ich meine, dass wir zur Beratung dieser Fragen Zeit benötigen. Ich sehe sie zum erstenmal. Ich will nicht sagen, dass ich diesen Vorschlägen nicht zustimmen kann, aber man muss die Zeit haben, sie zu erörtern. Ich schlage vor, dass der Präsident seine Vorschläge, die er noch hat, vorbringt und wir dann die Tagesordnung festsetzen.
Stalin:
Gut.
Truman:
Ziel der drei Regierungen im Hinblick auf Italien ist die Entwicklung zur politischen Selbständigkeit, zum wirtschaftlichen Wiederaufbau und die Gewährleistung des Rechtes für das italienische Volk, seine Regierungsform selbst zu wählen.
Die gegenwärtige Lage Italiens, einerseits als mitkämpfende Seite und andererseits als Macht, die bedingungslos kapituliert hat, ist anormal und behindert jeden Versuch sowohl von selten der Alliierten als auch seitens Italiens selbst, seine wirtschaftliche und politische Lage zu verbessern. Diese ungewöhnliche Lage kann nur durch Abschluss eines Friedensvertrages mit Italien endgültig geändert werden. Die Vorbereitung des Entwurfs eines solchen Vertrages muss eine der ersten Aufgaben sein, die dem Rat der Außenminister übertragen wird.
Gleichzeitig kann eine Verbesserung der inneren Situation Italiens herbeigeführt werden, indem man Italiens Beitrag zur Niederschlagung Deutschlands anerkennt. Deshalb empfiehlt es sich, die kurzen Kapitulationsbedingungen Italiens und die ausführlichen Kapitulationsbedingungen Italiens außer Kraft zu setzen und sie durch Verpflichtungen der italienischen Regierung, wie sie sich aus der neuen Situation in Italien ergeben, zu ersetzen.
Diese Verpflichtungen sollten vorsehen: Die italienische Regierung enthält sich jeglicher feindlicher Handlungen gegen Mitglieder der Vereinten Nationen; die italienische Regierung darf keine Seekriegs- und Luftstreitkräfte und -anlagen haben, außer den von den Alliierten genehmigten, und wird alle Instruktionen der Alliierten befolgen; bis zum Abschluss des Friedensvertrages soll Italien entsprechend der Notwendigkeit einer Kontrolle unterstehen; gleichzeitig soll die Frage entschieden werden, wie lange Streitkräfte der Alliierten auf dem Territorium Italiens verbleiben; schließlich ist eine gerechte Lösung der strittigen territorialen Fragen zu gewährleisten.
Da ich überraschend zum Vorsitzenden dieser Konferenz gewählt wurde war es mir nicht möglich, sofort meinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Ich freue mich sehr, Sie, Generalissimus, und auch Sie, Herr Premierminister, kennenzulernen. Ich weiß sehr wohl, dass ich hier den Platz eines Menschen einnehme, der unersetzlich ist, des früheren Präsidenten Roosevelt. Ich würde mich freuen, wenigstens teilweise dem zu entsprechen, wie Sie Präsident Roosevelt in Ihrer Erinnerung bewahren. Ich möchte die Freundschaft bewahren, die zwischen ihm und Ihnen bestand.
Die Fragen, die ich Ihnen unterbreite, sind natürlich sehr wichtig. Das schließt allerdings nicht aus, dass weitere Fragen auf die Tagesordnung gesetzt werden
Churchill:
Generalissimus, wollen Sie dem Herrn Präsidenten etwas antworten, oder lassen Sie mich das tun?
Stalin:
Ich überlasse das Ihnen.
Churchill:
Ich möchte dem Präsidenten der USA im Namen der britischen Delegation aufrichtig dafür danken, dass er den Vorsitz dieser Konferenz übernommen hat, ich bin ihm zu Dank verbunden, dass er die Ansichten der großen Republik, die er repräsentiert, dargelegt hat, und möchte ihm sagen – ich bin überzeugt, der Generalissimus wird sich mir anschließen -, dass wir ihn herzlichst begrüßen und dass wir in diesem wichtigen Augenblick den Wunsch haben, ihm zu sagen, dass wir die innigen Gefühle, die uns mit Präsident Roosevelt verbanden, auch ihm entgegenbringen werden. Der neue Präsident übernahm sein Amt in einem historischen Augenblick. Es ist unser Wunsch, dass die Ziele, für die wir gekämpft haben, heute im Frieden erfüllt werden. Wir empfinden Achtung nicht nur vor dem amerikanischen Volk, sondern auch vor dem Präsidenten persönlich, und ich hoffe, dass diese Gefühle der Achtung allezeit erstarken und der Verbesserung unserer Beziehungen dienen werden.
Stalin:
Im Namen der russischen Delegation kann ich erklären, dass wir die Gefühle, denen Herr Churchill Ausdruck verliehen hat, voll und ganz teilen.
Churchill:
Es scheint mir, wir sollten jetzt zu den einfachen Fragen der Tagesordnung übergehen und ein vorläufiges Programm unserer Arbeit aufstellen, um zu sehen, ob wir selbst in der Lage sind, diese Tagesordnung zu bewältigen, oder ob ein Teil der Fragen den Außenministern zu übertragen ist. Mir scheint, wir brauchen nicht sofort die gesamte Tagesordnung festzulegen, wir könnten uns auf eine Tagesordnung für jeweils einen Tag beschränken. Wir möchten beispielsweise die polnische Frage hinzufügen.
Stalin:
Es wäre dennoch gut, wenn alle drei Delegationen alle Fragen vortragen würden, von denen sie meinen, dass sie auf die Tagesordnung zu setzen sind. Die Russen haben Fragen zur Aufteilung der deutschen Flotte und andere. Zur Frage der Flotte gab es einen Briefwechsel zwischen mir und dem Präsidenten, bei dem eine Einigung erzielt wurde.
Die zweite Frage – das ist die Frage der Reparationen.
Dann ist die Frage der Treuhandschaftsgebiete zu erörtern.
Churchill:
Meinen Sie dabei Gebiete in Europa oder in der ganzen Welt?
Stalin:
Das werden wir besprechen. Ich weiß noch nicht genau, was das für Gebiete sind, aber die Russen wünschen, an der Verwaltung der Treuhandschaftsgebiete teilzunehmen.
Gesondert wollten wir die Frage nach der Wiederherstellung diplomatischer Beziehungen zu den ehemaligen Vasallen Deutschlands stellen.
Es ist auch notwendig, sich mit der Frage des Regimes in Spanien zu befassen. Wir Russen sind der Ansicht, dass dem spanischen Volk das gegenwärtige Franco-Regime von außen, durch Deutschland und Italien, aufgezwungen wurde. Es birgt eine große Gefahr für die freiheitliebenden Vereinten Nationen in sich. Wir meinen, dass es gut wäre, dem spanischen Volk Bedingungen zu schaffen, damit es ein Regime errichten kann, das ihm zusagt.
Churchill:
Wir beraten zunächst noch, was auf die Tagesordnung zu setzen ist. Ich bin einverstanden, dass Spanien als eine Frage auf die Tagesordnung gesetzt werden muss.
Stalin:
Ich führe nur den Gedanken aus, was unter der Frage zu verstehen ist.
Dann sollte die Tanger-Frage behandelt werden.
Churchill:
Herr Eden hat mir gesagt, falls wir zur Tanger-Frage kommen, so könnten wir infolge der Abwesenheit der Franzosen nur eine Interimsvereinbarung treffen.
Stalin:
Dennoch ist es interessant, die Meinung der drei Großmächte zu dieser Frage zu erfahren.
Dann ist die Frage Syrien und Libanon zu erörtern. Auch die polnische Frage ist zu erörtern, und zwar unter dem Aspekt jener Fragen, die sich aus der Tatsache ergeben, dass in Polen die Regierung der Nationalen Einheit gebildet wurde, und im Zusammenhang damit die Notwendigkeit, die polnische Emigrantenregierung zu liquidieren.
Churchill:
Ich halte es für notwendig, die polnische Frage zu erörtern. Die nach der Krim-Konferenz stattgefundene Erörterung dieser Frage hat wohl eine befriedigende Lösung der polnischen Frage angebahnt. Ich bin durchaus einverstanden, dass diese Frage und auch die sich daraus ergebende Frage nach der Liquidierung der polnischen Regierung in London erörtert wird.
Stalin:
Richtig, richtig.
Churchill:
Ich hoffe, dass sich der Generalissimus und der Präsident darüber im klaren sind, dass wir die polnische Regierung bei uns haben, die die Basis für die Existenz der polnischen Armee bildete, die gegen Deutschland gekämpft hat. Daraus ergibt sich eine Reihe zweitrangiger Fragen, die mit der Liquidierung der polnischen Regierung in London verbunden sind. Wie mir scheint, verfolgen wir die gleichen Ziele, aber wir haben ohne Zweifel eine schwierigere Aufgabe als die beiden anderen Mächte. In Verbindung mit der Liquidierung der polnischen Regierung kommen wir nicht umhin, für die Soldaten zu sorgen. Aber wir müssen diese Frage im Geiste und im Lichte der Konferenz von Jalta lösen. Im Zusammenhang mit der polnischen Frage sind wir der Ansicht, dass für Polen die Frage der Wahlen eine große Bedeutung hat und dass diese Wahlen auch Ausdruck der ureigenen Wünsche des polnischen Volkes sind.
Stalin:
Die russische Delegation hat zunächst keine weiteren Fragen mehr für die Tagesordnung.
Churchill:
Wir haben Ihnen bereits unsere Tagesordnung vorgestellt. Wenn Sie gestatten, Herr Präsident, möchte ich einen Vorschlag zur Verfahrensweise in der Arbeit dieser Konferenz machen. Ich schlage vor, dass die drei Außenminister heute oder morgen zusammentreten und jene Fragen auswählen, die am zweckmäßigsten von uns hier morgen erörtert werden könnten. Dieses Verfahren können wir auch bei den kommenden Sitzungstagen anwenden. Die Minister können besser die Tagesordnung zusammenstellen, indem sie drei, vier oder fünf Fragen auswählen. Sie könnten morgen früh zusammenkommen und die Tagesordnung für uns zusammenstellen.
Stalin:
Ich habe keine Einwände.
Truman:
Einverstanden.
Churchill:
Ich meine, dass wir uns in groben Zügen bereits eine Vorstellung von unseren Aufgaben gebildet haben und uns der Umfang unserer Arbeit klargeworden ist. Mir scheint, jetzt müssen die Außenminister auswählen und uns unterbreiten, und dann können wir mit der Arbeit beginnen.
Stalin:
Einverstanden. Womit wollen wir uns heute befassen? Wollen wir unsere Sitzung fortsetzen, ohne abzuwarten, bis die Minister uns fünf bis sechs Fragen vorgelegt haben? Ich denke, wir könnten die Frage der Bildung des Rates der Außenminister als Institution zur Vorbereitung der künftigen Friedenskonferenz erörtern.
Truman:
Einverstanden.
Churchill:
Einverstanden.
Stalin:
Zu besprechen ist die Frage der Zugehörigkeit eines Vertreters Chinas zum Ministerrat angesichts dessen, dass der Rat sich mit Europa betreffenden Fragen befassen wird.
Truman:
China wird eines der ständigen Mitglieder des in San Francisco gebildeten Sicherheitsrates sein.
Stalin:
Entfällt also der Beschluss der Krim-Konferenz, demzufolge sich die Außenminister periodisch zur Beratung verschiedener Fragen treffen sollen?
Truman:
Wir schlagen vor, einen Rat der Minister zu einem bestimmten Zweck zu schaffen – zur Ausarbeitung der Bedingungen des Friedensvertrages und zur Vorbereitung der Friedenskonferenz.
Stalin:
Auf der Krim-Konferenz wurde festgelegt, dass die Außenminister alle drei bis vier Monate zusammenkommen und einzelne Fragen besprechen. Anscheinend entfällt das jetzt? Damit entfällt anscheinend auch die Europäische Konsultativkommission? Ich verstehe das so und bitte um Aufklärung: Ist es richtig, wenn ich es so verstehe, oder falsch?
Truman:
Der Rat der Minister wird nur zu einem bestimmten Zweck gebildet – zur Ausarbeitung der Bedingungen des Friedensvertrages.
Stalin:
Ich habe keine Einwände gegen die Bildung des Ministerrates, aber damit werden die Ministerberatungen, die durch Beschluss der Krim-Konferenz festgelegt wurden, offensichtlich aufgehoben, und man muss annehmen, dass auch die Europäische Konsultativkommission entfällt. Diese beiden Einrichtungen werden durch den Rat der Außenminister ersetzt.
Churchill:
Die drei Außenminister sollten sich, wie auf der Krim-Konferenz vereinbart wurde, alle drei bis vier Monate treffen, um uns in einer ganzen Reihe wichtiger Fragen, Europa betreffend, zu beraten. Ich denke, wenn wir den Ministerrat der drei Großmächte noch um den Vertreter Chinas erweitern, so wird dies die Sache nur komplizieren, da der Ministerrat Fragen behandeln wird, die europäische Länder betreffen. Wenn wir den Friedensvertrag behandeln werden, der sich auf die ganze Welt und nicht nur auf Europa erstreckt, so wird man den Vertreter Chinas einladen können. Unsere drei Minister können ihre Arbeit weitaus leichter und fruchtbarer erledigen. Die Teilnahme eines Vertreters Chinas an der laufenden Arbeit des Ministerrates kompliziert nur die Arbeit. Es ist sehr leicht, auf dem Papier Organisationen zu gründen, wenn sie aber praktisch nichts leisten, so sind sie nach meinem Dafürhalten überflüssig. Kann denn die Frage der künftigen Verwaltung Deutschlands nicht von uns ohne die Teilnahme Chinas entschieden werden? Beschränken wir uns doch im Ministerrat auf drei Minister.
Truman:
Ich schlage vor, die Erörterung der Frage der Einstellung der periodischen Treffen der Minister, die durch Beschluss der Konferenz von Jalta festgelegt wurden, zu vertagen. Jetzt beraten wir die Frage der Bildung des Ministerrates zur Vorbereitung eines Friedensvertragsentwurfs, und das ist eine ganz andere Frage. Ich möchte Ihnen den Entwurf der USA über den Ministerrat vorlegen, in dem die Grundsätze der Organisation dieses Rates dargelegt sind.
Nach unserem Entwurf wird ein Rat der Außenminister eingerichtet, der sich aus den Außenministern der UdSSR, der USA, Großbritanniens, Chinas und Frankreichs zusammensetzt. Der Rat versammelt sich periodisch zu Beratungen, und seine erste Zusammenkunft findet am Soundsovielten statt.
Jeder Außenminister wird von einem ranghohen Stellvertreter begleitet, der mit entsprechenden Vollmachten ausgestattet und in der Lage ist, die Arbeit in Abwesenheit des Außenministers selbständig durchzuführen. Auch er wird von einem begrenzten Stab technischer Berater begleitet. Es ist die Einrichtung eines gemeinsamen Sekretariats vorgesehen.
Der Ministerrat wird bevollmächtigt, die Friedensverträge mit Italien, Rumänien, Bulgarien und Ungarn zwecks Übergabe an die Regierungen der Vereinten Nationen vorzubereiten. Der Ministerrat empfiehlt auch Wege zur Lösung territorialer Fragen, die nach Kriegsende in Europa offengeblieben sind. Der Rat soll bis ins einzelne die Bedingungen des Friedensvertrages mit Deutschland vorbereiten, die von der künftigen Regierung Deutschlands angenommen werden, nachdem eine geeignete deutsche Regierung gebildet worden ist.
Befasst sich der Ministerrat mit der Erörterung einer Frage, die unmittelbar einen nicht im Rat vertretenen Staat betrifft, so wird dieser Staat zur Sitzung des Rats eingeladen, um an der Erörterung der gegebenen Frage teilzunehmen. Das bedeutet jedoch nicht, dass starre Regeln für die Arbeit des Rates festgelegt werden. Der Rat legt die Verfahrensweise entsprechend dem gestellten Problem fest. In bestimmten Fällen kann der Rat zur Vorberatung einberufen werden unter Beteiligung anderer interessierter Staaten, in anderen Fällen wäre es wünschenswert, den Rat vor Einladung der interessierten Seiten einzuberufen.
Stalin:
Wird das ein Rat sein, der die Fragen der künftigen internationalen Friedenskonferenz vorbereitet?
Truman:
Ja.
Churchill:
Die Friedenskonferenz, die den Krieg beendet.
Stalin:
In Europa ist der Krieg zu Ende. Der Rat bestimmt und empfiehlt den Termin für die Einberufung der Friedenskonferenz.
Truman:
Wir meinen, dass die Konferenz so lange nicht einberufen werden soll, bis wir uns entsprechend auf sie vorbereitet haben.
Churchill:
Mir scheint, dass es keine Schwierigkeiten bereitet, uns über das Ziel zu einigen, nach dem wir streben. Wir müssen einen Ministerrat zur Vorbereitung des Friedensvertragsentwurfs bilden. Aber dieser Rat darf nicht an die Stelle der Organisationen treten, die bereits bestehen und die sich mit laufenden Fragen befassen – die periodischen Beratungen der drei Minister und die Europäische Konsultativkommission, an der auch Frankreich teilnimmt. Der Ministerrat ist eine breitere Organisation. Die Herren dort können festlegen, wieweit sich die Europäische Konsultativkommission und die periodischen Beratungen der Minister mit Fragen des Friedensvertrages befassen können.
Stalin:
Wer wird wem untergeordnet sein?
Churchill:
Der Ministerrat besteht parallel zum Sicherheitsrat, in dem auch China vertreten ist, und parallel zu den periodischen Beratungen der Minister und zur Europäischen Konsultativkommission. Bis zum Sieg über Japan wird es China schwerfallen, an der Erörterung europäischer Fragen teilzunehmen. Für uns bringt es keinen Vorteil, wenn China jetzt an der Erörterung europäischer Fragen teilnehmen würde. Europa war immer ein großer Vulkan, und seine Probleme müssen sehr ernst genommen werden. Möglicherweise werden wir zum Zeitpunkt der Einberufung der Friedenskonferenz bessere Nachrichten aus dem Fernen Osten haben, und man wird auch China einladen können.
Ich schlage im Prinzip vor, dass der Friedensvertrag von den fünf Hauptmächten vorbereitet wird; was jedoch Europa betrifft, so sollten die europäischen Probleme nur von den vier Mächten beraten werden, die unmittelbar an diesen Problemen interessiert sind. Dadurch werden wir die Arbeit der Europäischen Konsultativkommission und der periodischen Ministerberatungen nicht stören. Diese beiden Organisationen können ihre Arbeit gleichzeitig fortsetzen.
Stalin:
Vielleicht übergeben wir diese Frage den Ministern zur Beratung?
Truman:
Ich bin einverstanden und habe keine Einwände gegen den Ausschluss Chinas aus dem Ministerrat.
Churchill:
Ich meine, dass man die Sache so organisieren könnte, dass einige Mitglieder nicht ständig an den Sitzungen teilnehmen, obgleich sie die vollen Rechte wie alle anderen Mitglieder besitzen, aber nur dann an den Sitzungen teilnehmen, wenn Fragen behandelt werden, die sie interessieren.
Truman:
Ich verstehe die Sache so, dass diese Frage den Außenministern zur Beratung zu übergeben ist.
Stalin:
Ja, richtig.
Truman:
Können wir heute noch irgend etwas besprechen?
Stalin:
Da alle Fragen von den Ministern beraten werden, bleibt uns heute nichts mehr zu tun.
Churchill:
Ich schlage vor, dass die Außerminister die Frage behandeln sollen, ob es vier oder fünf Mitglieder geben soll, und dass sich dieser Ministerrat ausschließlich mit der Vorbereitung des Friedensvertrages zunächst für Europa und dann für die ganze Welt befassen soll.
Stalin:
Des Friedensvertrages oder der Friedenskonferenz?
Churchill:
Der Ministerrat bereitet den Plan vor, den er den Regierungschefs zur Prüfung vorlegt.
Stalin:
Mögen die Außenminister die Frage beraten, ob es notwendig ist, die Europäische Konsultativkommission in Europa am Leben zu erhalten, und ob es notwendig ist, die periodischen Beratungen der drei Minister, die entsprechend den Beschlüssen von Jalta eingerichtet wurden, weiterhin beizubehalten. Sollen doch die Minister auch diese Fragen beraten.
Churchill:
Das hängt von der Lage in Europa und davon ab, wie die Arbeit dieser Organisationen vorankommt. Ich schlage vor, dass die drei Minister ihre periodischen Beratungen fortsetzen und dass die Europäische Konsultativkommission ebenso ihre Arbeit fortsetzt.
Truman:
Wir müssen konkrete Fragen für die Beratung auf der morgigen Sitzung festlegen.
Churchill:
Ich hätte es gern, wenn wir jeden Abend, bei der Rückkehr nach Hause, irgend etwas Konkretes in der Tasche hätten.
Truman:
Ich möchte, dass die Außenminister uns jeden Tag etwas Konkretes zur Beratung vorlegen.
Stalin:
Ich bin einverstanden.
Truman:
Ich schlage vor, unsere Sitzungen um vier Uhr statt um fünf zu beginnen.
Stalin:
Um vier? Nun gut.
Churchill:
Wir fügen uns dem Vorsitzenden.
Truman:
Wenn dies angenommen ist, vertagen wir die Behandlung der Fragen bis morgen vier Uhr nachmittags.
Stalin:
Vertagen wir. Nur eine Frage: Warum verweigert Herr Churchill den Russen ihren Anteil an der deutschen Flotte?
Churchill:
Ich bin nicht dagegen. Aber wenn Sie mir schon die Frage stellen, hier meine Antwort: Diese Flotte ist zu versenken oder aufzuteilen.
Stalin:
Sie sind für Versenken oder für Aufteilen?
Churchill:
Alle Mittel des Krieges sind schreckliche Dinge.
Stalin:
Die Flotte muss aufgeteilt werden. Wenn Herr Churchill es vorzieht, die Flotte zu versenken, so kann er seinen Anteil versenken. Ich beabsichtige nicht, meinen Anteil zu versenken.
Churchill:
Gegenwärtig befindet sich fast die gesamte deutsche Flotte in unserer Hand.
Stalin:
Das ist es ja, das ist es ja. Und darum müssen wir diese Frage entscheiden.
Truman:
Die morgige Sitzung beginnt um vier Uhr.

Quellen und weiterführende Hinweise

  • Teheran, Jalta, Potsdam. Dokumentensammlung, Moskau 1967, S. 156ff. (Übersetzung: Dr. Eduard Ullmann, Berlin). In: Historische Gedenkstätte des Potsdamer Abkommens, Cecilienhof, Potsdam (Hg.), Das Potsdamer Abkommen. Dokumentensammlung, Staatsverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin, 1984, S. 39 – 48.
  • United States Department of State / Foreign Relations of the United States: diplomatic papers, the Conference of Berlin (the Potsdam Conference), 1945 – Volume II, U.S. Government Printing Office, 1945 [zitiert: FRUS, Potsdam Conference]
  • Office of the Historian / Foreign relations of the United States, diplomatic papers, the Conference of Berlin (the Potsdam Conference), 1945 – Volume II, Washington, 1960
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Eine Antwort auf 17. Juli 1945 Erste Plenarsitzung

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