Nationale Befreiungsbewegung Deutschland

Die Alliierten in Potsdam gingen von „Deutschland in den Grenzen von 1937“ aus. D. h. Schlesien, Pommern, Ostpreußen etc. wurden ausdrücklich als Teil Deutschlands betrachtet. Das hing mit der noch relativ offenen „Reparationsfrage“ zusammen.

Winston Churchill, wegen dem die Potsdamer Konferenz am 25. Juli 1945 unterbrochen werden musste, da Unterhauswahlen in England stattfanden, bezeichnete in seiner ersten Rede als Oppositionsführer am 16. August 1945 vor dem britischen Unterhaus die „Polen zugestandene, provisorische Westgrenze“ als „kein gutes Vorzeichen für die künftige Karte Europas“. In seinen Memoiren schreibt Churchill:

Hier war ein Unrecht im Werden, gegen das unter dem Gesichtspunkt der künftigen Befriedung Europas Elsaß-Lothringen und der Polnische Korridor nicht viel mehr als Kleinigkeiten waren. Eines Tages würden die Deutschen diese Gebiete zurückverlangen und die Polen nicht in der Lage sein, sie aufzuhalten.Churchill, Memoiren, Der Zweite Weltkrieg, Bd. VI/2, S. 347. Zitiert nach De Zayas, Nemesis, S. 229.

Auf der Potsdamer Konferenz hatte Winston Churchill der polnischen Delegation unter Boleslaw Bierut mehrfach deutlich gemacht, dass Polens Gebietsansprüche in den Augen der westlichen Alliierten übertrieben seien. Sie würden Deutschland um sein bestes Ackerland und um wichtige Bodenschätze bringen. Polen würde dann Nahrung und Heizmaterial der Deutschen haben, während die westlichen Besatzungsbehörden weiteren neun Millionen Deutschen Obdach geben und verköstigen müssten. (Vgl. De Zayas, Nemesis, S. 230.)

Im März 1947 machte sich US-Außenminister George C. Marshall (1880-1958) auf der Moskauer Konferenz des Außenministerrats für eine Grenzkommission stark, die eine „vernünftigere Grenze zwischen Deutschland und Polen“ bestimmen sollte. Gegenüber Wjatscheslaw M. Molotow (1890-1986), der stur an der „in Potsdam gezogenen Grenze“ festhielt, sagte Marshall:

Wir dürfen nicht vergessen, dass ein großer Teil des Gebiets, das jetzt unter polnischer Verwaltung steht, lange deutsch gewesen ist und über landwirtschaftliche Ressourcen von lebenswichtiger Bedeutung für die deutsche und die europäische Wirtschaft verfügt.George Marshall, Moskauer Konferenz 1947. Zitiert nach De Zayas, Nemesis, S. 234.

Polen und Russland wandten sich vehement gegen die Grenzrevisionsbemühungen der Westalliierten. Molotow berief sich auf Artikel XIII des Potsdamer Protokolls, der die Vertreibung der Deutschen ja legitimieren würde, weswegen auch die festgelegte Grenze endgültig sein müsste. Dieses Argument wird von verschiedener Seite bis heute fast stereotypisch wiederholt. Dabei ignoriert es den Inhalt des Artikels XIII, der besagt, dass Deutsche aus „Polen, Tschechoslowakei und Ungarn“ „human und geordnet“ überführt werden sollten. Der Völkerrechtsexperte Prof. de Zayas schreibt dazu:

Da aber „Polen“ im Potsdamer Protokoll nicht verbindlich definiert worden ist und da seine Westgrenze bis zum Friedensvertrag unbestimmt bleiben sollte, konnte nach den gewohnten Regeln der Interpretation das in Artikel XIII erwähnte „Polen“ nur Polen ohne die deutschen Gebiete östlich von Oder und Neiße bedeuten; diese Gebiete standen offiziell vorübergehend unter polnischer Verwaltung, aber Polen konnte keineswegs die Souveränität ausüben, die ihm nur der Friedensvertrag verleihen konnte.De Zayas, Nemesis, S. 236.

Nach dieser in solchen Fällen üblichen Lesart hätten die Millionen Ostdeutschen in ihrer Heimat verbleiben können. Unzählige Menschen hätten dann ihr Leben nicht verloren. Die Logik Stalins bzw. Polens war jedoch eine andere…

Quellen und weiterführende Hinweise
  • Zayas, Alfred Maurice de: Die Nemesis von Potsdam. Die Anglo-Amerikaner und die Vertreibung der Deutschen, überarb. u. erweit. Neuauflage,Herbig-Verlag, München, 2005. [zitiert: De Zayas, Nemesis]
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