Nationale Befreiungsbewegung Deutschland
Inhaltsverzeichnis
  1. Wiedererstehen des polnischen Staates
  2. Polnischer Nationalismus
  3. Verhandlungen in Versailles
  4. Die Curzon-Linie
  5. Volksabstimmungen und Volksaufstände
  6. Das Verhalten der Katholischen Kirche
  7. Schlacht am Annaberg
  8. Politische Folgen

1. Wiedererstehen des polnischen Staates

Nachdem die Mittelmächte im Sommer 1915 das zu Rußland gehörige „Kongresspolen“ erobert hatten, verfolgte Österreich das Ziel, das vormalige Königreich Polen an die Habsburger Monarchie anzugliedern; die Führung des Deutschen Reiches wollte einen breiten Grenzstreifen zwischen Ostpreußen und Oberschlesien von Polen trennen und deutsch besiedeln.

Als die Lage der Mittelmächte 1916 schwierig wurde, wollte die deutsche Oberste Heeresleitung sich die militärische Kraft Polens zum Kampf gegen Rußland zunutze machen und zu diesem Zweck dem Wunsch der Polen nach Wiederherstellung ihres Staates entgegenkommen.Meyer, Geschichte Polens, S. 75.

Daher proklamierten die Mittelmächte am 5. November 1916 das „Königreich Polen“ als einen „Staat mit erblicher Monarchie und konstitutioneller Verfassung“. An der Stelle des „Provisorischen Staatsrates“ (seit dem 14. 1. 1917) setzten sie im Oktober 1917 einen polnischen Regentschaftsrat und eine Regierung ein. Im Frieden zu Brest-Litowsk (3. 3. 1918) verzichtete Sowjetrußland auch auf Polen.

Die Alliierten anerkannten das am 15. August 1917 in Lausanne gebildete Polnische Nationalkomitee als Vertretung Polens; es verlegte danach seinen Sitz nach Paris.
Bereits im Januar 1917 hatte der amerikanische Präsident Wilson die Schaffung eines „geeinten, unabhängigen und selbständigen Polen“ befürwortet (Vgl. Meyer, Geschichte Polens, S. 77), was er dann auch in seinen „14 Punkten“ vom 8. Januar 1918 als Kriegsziel benannte. Polen sollte alle Gebiete mit einer eindeutig polnischen Bevölkerung umfassen und einen Zugang zum Meer erhalten.

Nachdem der Regentschaftsrat Pilsudski am 11. November 1918 zum Generalissimus des bisherigen Polnischen Hilfskorps und am 14. November zum „Staatschef“ ernannt hatte, war ein unabhängiger polnischer Staat entstanden, der zunächst aus Kongresspolen und Westgalizien bestand.

2. Polnischer Nationalismus

Dieses territorial begrenzte Staatsgebiet genügte den polnischen Nationaldemokraten nicht. In der Zeit der Staatslosigkeit hatte sich das polnische Nationalgefühl kräftig entwickelt und Züge eines politisch übersteigerten und religiös überformten Nationalismus angenommen. Die Nationaldemokraten unter Roman Dmowski strebten einen zentralistischen Nationalstaat an, zu dem Masuren, das Ermland, Westpreußen, das östliche Hinterpommern, Posen, nahezu ganz Oberschlesien, das östliche Niederschlesien und das Teschener Schlesien gehören sollten.
Gegenüber dieser „piastischen“ Lösung vertrat Pilsudski eine „jagellonische“ Konzeption: eine polnische Föderation, bestehend aus Polen, Litauen, Weißrußland und der Ukraine; im großen ganzen sollten die Grenzen von 1772 wiederhergestellt werden.

In den Tagen der Entstehung Polens war es unklar, wer es legal nach außen hin vertreten dürfe. Die Alliierten hatten das Polnische Nationalkomitee als Vertretung Polens anerkannt, in Warschau jedoch herrschte Pilsudski, der seine Gewalt von dem von den Mittelmächten eingesetzten Regentschaftsrat ableitete.Meyer, Geschichte Polens, S. 79.

Warschauer Regierung und Nationalkomitee einigten sich am 16. Januar 1919. Pilsudski blieb Staatschef und begann sofort den jungen Staat zu festigen. Dem Sejm gab er seine Vollmachten zurück. Dieser beschloss eine vorläufige Verfassung.

3. Verhandlungen in Versailles

In Versailles verhandelte die Pariser Friedenskonferenz (im Zusammenhang mit dem Friedenvertrag über Deutschland) über Polens Westgrenze. Die Gebietsansprüche des neuen polnischen Außenminister Dmowskis unterstütze der französische Ministerpräsident Clémenceau: Deutschland sollte geschwächt und gegenüber Sowjetrußland ein „cordon sanitaire“ selbständiger Staaten geschaffen werden. Gestützt auch auf amerikanische Bedenken, widersetzte sich der britische Premierminister Lloyd George einer zu starken Schwächung Deutschlands (ebenfalls wegen der bolschewistischen Gefahr). Polen bekam den Teil Posens, den es sich bereits einverleibt hatte, und den mittleren Teil Westpreußens als „Korridor“ zur Ostsee. Wegen seiner rein deutschen Bevölkerung kam Danzig nicht an Polen; es wurde „Freie Stadt“ (unter der Hoheit des Völkerbundes), aber wirtschaftlich an Polen angeschlossen.

Auf Drängen jüdischer Organisationen, welche die bürgerliche Gleichberechtigung der Juden in Polen gesichert sehen wollten, musste Polen sich in Paris dazu bereit finden, ein Minderheitenschutzabkommen abzuschließen. Es garantierte allen Minderheiten in Polen, auch Deutschen, das Recht auf Bewahrung ihrer Eigenart und damit auch Benutzung ihrer eigenen Sprache, u. a. in den öffentlichen Schulen.Meyer, Geschichte Polens, S. 81.

Jedoch, zwischen 1919 und 1926 verließen 600.000 bis 800.000 Deutsche die an Polen angeschlossenen Gebiete von Posen und Westpreußen, teils wegen Schikanen, teils weil sie 1925 ausgewiesen wurden.

Im Bezirk Allenstein (südliches Ostpreußen), im Bezirk Marienwerder (östliches Westpreußen), in Oberschlesien und im Teschener Schlesien (österreichisch) sollten Volksabstimmungen durchgeführt werden (wogegen sich die polnische Delegation aufs heftigste wehrte). Außerdem behielten sich die Großmächte vor, die Ostgrenze Polens festzulegen. (Vgl. Meyer, Geschichte Polens, S. 81.)

Auf eine Entscheidung der Siegermächte über ihre Ostgrenze aber wollten die Polen nicht warten. Noch 1918 holten polnische Truppen in grausamen Kämpfen Ostgalizien, in dem nur eine Minderheit von Polen lebte, heim zur „Mutter Polen“, desgleichen Anfang 1919 den größten Teil der „Litauisch-Weißrussischen Räterepublik“. Am 8. Oktober 1920 okkupierte Polen – indem es einen am Vortag abgeschlossenen Vertrag mit Litauen einfach ignorierte – das Gebiet von Wilna.

Während in Versailles über die Westgrenze Polens verhandelt wurde, versuchte Pilsudski an dessen Ostgrenze vollendete Tatsachen zu schaffen. Polnische Truppen eroberten bis Mitte 1919 den größten Teil der Litauisch-Weißrussischen Räterepublik.Meyer, Geschichte Polens, S. 82.

4. Die Curzon-Linie

Nachdem die Bolschewiki Ende des Jahres 1919 die „Weißen Armeen“ besiegt hatten, rechnete Polen mit ihrem Vorgehen gegen Weißruthenien (Weißrußland). Am 25. April 1920 griff es daher Sowjetrußland an – entgegen der Warnungen des Oberstes Rates der Entente, gebildet aus den Regierungschefs von Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan und Belgien.
Obwohl die Polen im Mai Kiew erobert hatten, mußten sie vor einem Gegenangriff der Roten Armee zurückweichen und baten den Obersten Rat der Entente um Hilfe. Dieser forderte die Polen zum Rückzug hinter die polnische Sprachgrenze im Osten auf. Der britische Außenminister Lord Curzon schlug diese Linie in einem Telegramm vom 11. Juli 1920 den Polen und den Sowjets als Demarkationslinie vor.

Polen in seiner Not fügte sich dieser Forderung, doch die Bolschewiki setzten in Bialystok ein „Polnisches Revolutionäres Komitee“ (als polnische Räteregierung) ein und stießen bis Warschau vor. Am 18. August 1920 aber konnte sie Pilsudski zurückschlagen – mit dem Erfolg, daß Sowjetrußland im Frieden zu Riga (18. 3. 1921) Polen eine Ostgrenze 200 bis 300 km östlich der Curzon-Linie zugestand, in welchem Gebiet 23% Polen lebten. (Da sich aber die Ostgrenze von 1772 nicht hatte wiederherstellen lassen, wurden auch Pilsudkis Föderationspläne hinfällig.)

5. Volksabstimmungen und Volksaufstände

Nachdem Russland, Österreich und Preußen 1794/95 Polen in einer letzten radikalen Aufteilung als selbstständigen Staat ausgelöscht hatten, ging am 11. November 1918 die alte Sehnsucht des polnischen Volkes in Erfüllung: Polen war wieder ein eigener Staat geworden.

Ein verständlicher nationaler Rausch befiel das Volk, der aber bei den enthusiastischen Patrioten in maßlose territoriale Forderungen ausuferte, wobei man sich über geschichtlich gewachsene, in Jahrhunderten gefestigte Bindungen und über die patriotischen Gefühle anderer Menschen bedenkenlos hinwegsetzte und dadurch Ursachen zu neuen Konflikten schuf.Teichmann, Drittes Reich, 9.

Diese Patrioten wollten am liebsten alle Gebiete, die in den letzten tausend Jahren jemals unter polnischer Herrschaft standen heim zur „Mutter Polen“ holen. Sie wehrten sich mit Händen und Füßen gegen Volksbefragungen und wollten selbst bestimmen, welche Bevölkerung Polen waren und welche nicht. Tatsächlich erbrachten die Volksentscheide in West- und Ostpreußen (Allenstein und Marienwerder) am 11. Juli 1920 – trotz z. T. starker polnischer Propaganda – überwältigende Zustimmungen für einen Verbleib bei Preußen (97,8% und 93,4%). Vgl. Teichmann, Drittes Reich, 11.

Die Abstimmung in Oberschlesien erwies sich als ungemein schwierig und führte zu verlustreichen Konflikten. In den Jahren 1918/21 versuchte Polen auch hier bereits vor den Abstimmungen vollendete Tatsachen zu schaffen und dieses reiche Industriegebiet gewaltsam in seine Hand zu bekommen.

Unter allen Umständen aber sollte Oberschlesien dem neuen polnischen Staat eingegliedert werden. Dieses Land war dicht bevölkert; hier sprachen viele einen polnischen Dialekt; hier gab es seit Jahren eine sehr aktive nationalpolnische Minderheit, die sogar einen Abgeordneten (Korfanty) in den deutschen Reichstag gewählt hatte, und vor allem: dieses Land war sehr reich; es gehörte mit seinen Bodenschätzen (z. B. größte Zinklager Europas) zu den wertvollsten Bezirken ganz Deutschlands.Teichmann, Drittes Reich, 11.

Reste der deutschen Wehrmacht in Oberschlesien konnten einen ersten polnischen Aufstand von 11.000 polnischer Rebellen im August 1919 zurückschlagen.

Nachdem der Versailler Vertrag am 10. Januar 1920 in Kraft getreten war, mußte das deutsche Militär jedoch bis Ende Januar Oberschlesien verlassen. Zum Schutze und zur Überwachung der auf den 20. März 1921 festgesetzten Volksabstimmung kamen 5.000 italienische und britische sowie 15.000 französische Soldaten ins Land; eine Interalliierte Kommission unter dem französischen General Le Rond übernahm die Verwaltung.

Polen praktizierte eine Doppelstrategie von agitatorischer Propaganda und Gewalt: Am 3. Mai 1920 (Tag der Verfassung von 1791) zogen polnische Demonstrationszüge mit polnischen Fahnen durch die deutschen Städte Oberschlesiens. Rollkommandos wie die „Tajna Bojowska“ (eine militärischen Bande) sprengten deutsche Versammlungen und beseitigten missliebige deutsche Männer. Deutsche Häuser und Geschäfte wurden geplündert und in Brand gesteckt. Die Bevölkerung wurde durch Gewehrsalven daran gehindert, etwas von ihrem Eigentum zu retten. Dieser Stimmungsterror mündete schließlich in den zweiten polnischen Aufstand der am 19. August 1920 begann. (Vgl. Teichmann, Drittes Reich, 13f.)

Als Le Rond … mit seinen 15.000 schwerstbewaffneten Soldaten diesem wüsten Treiben seelenruhig zusah und auch dann noch nichts unternahm, als ihm die Namen und Wohnorte der ermordeten Deutschen, die Bilder der verstümmelten Leichen und eine Fülle dokumentarischer Berichte über sonstige Greueltaten der polnischen Insurgenten vorgelegt wurden, entschlossen sich die deutschen politischen Parteien Oberschlesiens, … mit Korfanty, dem Initiator des Aufstandes, selber Verbindung aufzunehmen, um dem blutrünstigen Wüten ein Ende zu machen.Teichmann, Drittes Reich, S. 14.

Das Beuthener Abkommen (28. 8. 1920) beendete den Aufstand: Die polnischen Eindringlinge durften bewaffnet im Lande bleiben und die Alliierten erließen vollständige Amnestie gegen sie; die deutsche Sicherheitspolizei wurde aufgelöst. Am 20. März 1921 kam es letztendlich in Oberschlesien doch noch zu der vom Versailler Vertrag angeordneten Volksabstimmung, wobei die neue Abstimmungspolizei zu 50% aus Polen bestand.

Allerdings wurden die Teile Oberschlesiens aus dem Abstimmungsgebiet ausgeklammert, die nicht als doppelsprachig galten, um auf diese Weise den erwarteten Abstimmungssieg Polens zu sichern.Hupka, Credo, S. 155.

Dennoch, trotz starkem, von den Alliierten gefördertem, antideutschem Nachkriegsdruck, fiel das Ergebnis für Polen negativ aus: Eine eindeutige Mehrheit von 59,6% der Abstimmungsberechtigten stimmte für den Verbleib bei Deutschland. Lediglich 40,4% stimmten für Polen.

Was am 20. März 1921 im größten Teil Oberschlesiens, im Abstimmungsgebiet, geschehen ist, hat die Zugehörigkeit Oberschlesiens zu Deutschland geschichtsnotorisch gemacht.Hupka, Credo, S. 157.

Zu ähnlichen Konflikten wie in Oberschlesien zwischen Deutschen und Polen kam es übrigens auch zwischen Polen und Litauen und zwischen Polen und Ukrainern.
Litauen z. B. beanspruchte die Stadt Wilna (Vilnius) als historische Hauptstadt und Polen als eine vorwiegend von Polen bewohnte Stadt. Trotz des „Friedensvertrags“ von Suwalki (7. Okt. 1920) überfiel Polen bereits am nächsten Tag das von Litauern besetzte Wilna. Polen konnte sich schließlich militärisch durchsetzen.

Die Polen gründeten im Wilnagebiet den scheinbar selbständigen Staat Mittellitauen. Dieser schloss sich am 20.2.1922 an Polen an. Da Litauen das nicht anerkennen wollte, bestand zwischen ihm und Polen bis 1938 der Zustand des „kalten Krieges“ ohne diplomatische Beziehungen und ohne Grenzverkehr.Meyer, Geschichte Polens, S. 84.

Als 1918 in Ostgalizien die selbstständige „Westukrainische Volksrepublik“ mit Lemberg (Lwiw) – ein weiteres „polnisches Zentrum“ – als Hauptstadt proklamiert wurde, rückte auch hier polnische Militär ein und warfen in äußerst blutigen und grausamen Kämpfen den ukrainischen Widerstand nieder.

6. Das Verhalten der Katholischen Kirche

Ein eigenes Kapitel rund um die Volksabstimmung in Oberschlesien bildeten kirchliche Vorgänge. Dem deutschen Kardinal Bertram verbot die alliierte Kontrollkommission im Abstimmungsgebiet die Ausübung seines Amtes als Diözesanbischof. Daraufhin ernannte Papst Benedikt XV. den Nuntius in Warschau, Achilles Ratti, zum „Oberkommissar“ für sämtliche Abstimmungsgebiete (auch in Ost- und Westpreußen).
Da polnische Bischöfe 27 Geistliche nach Oberschlesien geschickt hatten (damit „das polnische Volk nicht den deutschen Geistlichen ausgeliefert“ sei) und auch einheimische Geistliche für Polen agitierten, erließ Kardinal Bertram am 21. November 1920 mit ausdrücklicher Billigung des Apostolischen Stuhles eine Verordnung, die dem Diözesanklerus in Oberschlesien, ganz gleich welcher Nation und Sprache, verbot, ohne ausdrückliche Genehmigung des zuständigen Ortspfarrers eine politische Rede zu halten …
Dieser Erlass wirkte unter den Polen wie ein Funke im Pulverfaß. Im Namen des gesamten polnischen Episkopats protestierten die beiden polnischen Kardinäle und fünf Bischöfe in einem offenen Brief an den Papst gegen das Unrecht, das mit diesem Erlass „dem polnischen Volk“ (!) angetan worden sei … Die Wut der Polen aber richtet sich nun gegen Achilles Ratti … Sie warfen ihm „Parteinahme für die Deutschen vor“.

Sie warfen ihm Parteinahme für die Deutschen vor; denn er hätte sich früher schon geweigert, polnische Fahnen in Oberschlesien zu segnen, deutsche Pfarrer auf Beschwerden der Polen hin abzusetzen (was er übrigens rein rechtlich gar nicht konnte), und jetzt diese amtliche Vorgehen gege ihre Agenten in Oberschlesien!Teichmann, Drittes Reich, S. 16f.

Der Nuntius verließ im Dezember 1920 Polen. (Der Papst ernannte ihn zum Kardinal und machte ihn zum Erzbischof von Mailand.) Als nach dem Tode Benedikts XV. in Rom Ratti als mutmaßlicher Nachfolger genannt wurde, löste diese Nachricht in Warschau einen Schock aus. Vor dem Konklave aber überreichte der polnische Gesandte im Vatikan dem ehemaligen Nuntius einen hohen Orden, der ihm als Routine-Abschiedsgeschenk für scheidende Diplomaten zunächst verweigert worden war.

… als am 6. Februar 1922 das Ergebnis der Papstwahl bekannt wurde, überschlug sich die polnische Presse in Superlativen bei der Versicherung der Liebe, des Entzückens und der seligen Erinnerung an ihn, ihren ersten Nuntius.Teichmann, Drittes Reich, S. 19.

7. Schlacht am Annaberg

Bei der Volksabstimmung am 20. März 1921 entschieden sich rund 60% der Optanten für Deutschland. Korfanty rief daher für den 3. Mai 1921 zum dritten Aufstand auf. 40.000 polnische Rebellen marschierten nach Westen. Auf französischen Befehl mußten die Grenzübergänge den Aufständischen übergeben werden. Zwischen 60.000 Polen und 32.000 deutschen Selbstschutz- und Freikorpskämpfern kam es zu einem regelrechten Stellungskrieg. Am 21. Mai 1921 konnten die Deutschen den St. Annaberg (südöstlich von Oppeln) erstürmen und behaupten. Vor allem auf Druck der Engländer zogen sich die polnischen Rebellen Ende Juni 1921 bis an die oberschlesische Ostgrenze zurück (nachdem sie zuvor hinter der Front die deutsche Zivilbevölkerung, u. a. in Folter- und Prügelstationen, tyrannisiert und malträtiert hatten).

Entgegen des eindeutigen Abstimmungsergebnis beschloss die Interalliierte Botschafterkonferenz am 20.10.1921 eine Teilung Oberschlesiens. Kattowitz und Königshütte, das Kerngebiet des oberschlesischen Industriereviers mit mehrheitlich deutscher Bevölkerung, fielen damit an Polen. Deutschland sah die Teilung Oberschlesiens als ein Bruch des Völkerrechts an.

8. Politische Folgen

In der Zeit der polnischen Aufstände wurden 1.500 namentlich bekannte Deutsche ermordet; über 10.000 waren geflüchtet oder verschleppt worden. Viele kamen im polnischen Internierungslager Neu-Berun um.

Natürlich gab es auch auf deutscher Seite Ungesetzlichkeiten, begangen von Landsknechtsnaturen und Banditen, die auf ihre Weise die angezettelte Zuchtlosigkeit ausnutzten.Teichmann, Drittes Reich, S. 21.

Die Siegermächte ließen das Abstimmungsergebnis nicht für ganz Oberschlesien gelten; das Gebiet sollte geteilt werden. Weil sie sich nicht einigen konnten, schoben sie diese heikle Angelegenheit dem Völkerbund zu. Der setzte u. a. eine „Viererkommission“ ein. Gemäß dem am 20.10.1921 veröffentlichten Teilungsdekret erhielt schließlich Polen den größeren Teil des oberschlesischen Industriegebietes. Am 19. Juni 1922 begann der Abzug der Besatzungstruppen.

Das Deutsche Reich hatte erwartet, gestützt auf den Text der Abstimmungsverordnung, dass das Gesamtergebnis der Abstimmung auch über das Schicksal des Abstimmungsgebietes als Ganzes entscheiden würde. Die Siegermächte aber beschlossen, Oberschlesien zu teilen.Teichmann, Drittes Reich, S. 23.

Ein „Minderheitenschutzabkommen“, das Polen 1922 in Paris hatte abschließen müssen, sollte negative Auswirkungen durch die Zerreißung der wirtschaftlich und national verzahnten Verhältnisse in Oberschlesien begrenzen.
Entgegen dieses Abkommens wurde jedoch die starke deutsche Minderheit in Polen schikaniert und gequält. Aufgrund einer solchen „kalten Vertreibung“ wanderten allein aus den Gebieten Posen/Westpreußen bis 1929 rund 750.000 Deutsche aus. Vgl. Teichmann, Drittes Reich, S. 27f.

Die Polen zugesprochenen Gebiete Oberschlesiens sowie der Ostteil des Teschener Gebietes bildeten fortan die Wojewodschaft Schlesien; Verwaltungssitz wurde Kattowitz. 29,9% ihrer Bewohner waren Deutsche. Westoberschlesien galt in den Augen der polnischen Führung als ein Territorium, das noch auf seine Befreiung warte. (Bahlcke, Schlesien, S. 149.)

In Deutschland empfand man die Versailler Grenzziehung gegenüber Polen als krasses Unrecht, weil mehrheitlich deutsche Gebiete ohne Abstimmung abgetreten werden mussten und Ostpreußen durch den Korridor vom übrigen Reich getrennt wurde. Keine der Regierungen der Weimarer Republik hat daher die deutsch-polnische Grenze von 1919 und den Status der Freien Stadt Danzig anerkannt.Meyer, Geschichte Polens, S. 82.

Als Polen im Oktober 1938 den westlichen Teil des Teschener Schlesien annektiert hatte, wurden sofort alle deutschen und tschechischen Schulen geschlossen und Vereine aufgelöst (Bahlcke, Schlesien, S. 150).

Nach dem ersten Weltkrieg hatte sich Polen durch zahlreiche Gebietsaneignungen mit fast allen Nachbarn verfeindet. Beträchtliche nationale Minderheiten machten fortan dem neugeschaffenen Staat – ständig in der Angst vor Grenzrevisionen – innenpolitisch schwer zu schaffen. Der am 23. August 1939 geschlossene „Hitler-Stalin-Pakt“ zeigte, dass diese Sorge nicht unbegründet war.

Quellen und weiterführende Hinweise

  • Bahlcke, Joachim: Schlesien und die Schlesier. Studienbuchreihe der Stiftung Ostdeutscher Kulturrat. Band 7, Langen Müller, München 1996.[zitiert: Bahlcke, Schlesien]
  • Friebe, Georg: Deutschlands Osten und sein östlicher Nachbar. Beiträge zur Geschichte und Zeitgeschichte Ostdeutschlands, Polens und der deutsch-polnischen Beziehungen, Eigenverlag, 2004.
  • Hupka, Herbert: Schlesisches Credo. Reden, Aufsätze und Dokumente aus zwei Jahrzehnten, Langen Müller, München 1986.[zitiert: Hupka, Credo]
  • Meyer, Enno: Grundzüge der Geschichte Polens, 3. erw. Aufl., Darmstadt 1990. [zitiert: Meyer, Geschichte Polens]
  • Teichmann, Lucius: Steinchen aus dem Strom. Vom Dritten Reich und unseren Nachbarn im Osten, 2. Aufl., Wienand Verlag, Köln 1984. [zitiert: Teichmann, Drittes Reich]
Share Button