Nationale Befreiungsbewegung Deutschland

4. – 11. Februar 1945

Die Konferenz von Jalta tagte vom 4. bis 11. Februar 1945 im Liwadija-Palast in Jalta an der Südküste der damals sowjetischen Schwarzmeerhalbinsel Krim – weswegen sie manchmal auch „Krim-Konferenz“ genannt wird.

Josef W. Stalin (UdSSR), Franklin D. Roosevelt (USA) und Winston Churchill (England) berieten sich zusammen mit ihren Außenministern über weitere gemeinsame Maßnahmen in der Endphase des 2. Weltkrieges.

Drei Themen standen im Mittelpunkt:

  1. Die Einrichtung eines Weltsicherheitsrates.
  2. Die Nachkriegsordnung in Europa (insbesondere in Osteuropa und in Deutschland).
  3. Die Kriegsführung im Fernen Osten.

Der russische Außenminister Molotow legte am 7. Februar einen Vorschlag zur Beschlussfassung vor:

  1. Die Curzon-Linie soll Ostgrenze Polens werden.
  2. Die Westgrenze Polens soll von Stettin (einschließlich) nach Süden entlang der Oder und weiter entlang der westlichen Neiße (Lausitzer Neiße) verlaufen.
  3. Zu der provisorischen polnischen Regierung sollen demokratische polnische Führer aus dem Exil hinzukommen.

Am 28. Februar 1945 erklärte der kommunistische Parteiführer Gomulka vor dem Zentralkomitee der Polnischen Arbeiterpartei: „Ein sehr wesentliches Problem, das alle Kräfte auf sich vereinigen und um die Westfragen konzentrieren muss, ist das Problem der Entdeutschung der historisch polnischen Gebiete. Diese große Arbeit erwartet das ganze polnische Volk. Es ist ein riesiges Experiment, das bisher nicht seinesgleichen in der Geschichte besitzt. Es ist klar, dass die Entdeutschung prinzipiell in der Weise erfolgen muss, dass die Deutschen aus diesen Gebieten hinausgeworfen werden und wir in die Westgebiete Polen hereinbringen und dort ansiedeln.“(Zitat aus: Zum 50. Jahrestag des Potsdamer Abkommens. Beitrag von Prof. Dr. Menzel in der WDR-Senderreihe „Alte und neue Heimat“ vom 2. Juli 1995. Zitiert nach Georg Friebe)

Zwar war ein Bevölkerungstransfer prinzipiell akzeptiert worden doch die Außenminister der USA (Stettinius) und Englands (Eden) warnten davor, die Westgrenze Polens zu weit nach Westen zu verschieben, weil die Bevölkerungsumsiedlung zu umfangreich wäre.

Sie befürworteten lediglich die Abtretung Ostpreußens, die eine Umsiedlung von zweieinhalb Millionen Deutschen bedeuten würde.De Zayas, Vertriebene, S. 133.

Stalin und Molotow bestanden aber auf eine Grenzziehung an der Oder und westlichen (Lausitzer) Neiße. (Laut Dr. de Zayas wussten Churchill und Roosevelt um die Tatsache zweier Neiße-Flüsse und sie seien unmissverständlich gegen eine Grenze an der westlichen Neiße gewesen.) Insgesamt bedeutete der sowjetische Vorschlag eine Umsiedlung von elf Millionen Menschen: Neun Millionen Deutsche aus den Ostprovinzen und zwei Millionen aus „Altpolen“ bzw. dem Warthegau. (Vgl. De Zayas, Vertriebene, S. 135f.)

Der englische Premierminister Churchill widersetzte sich Stalin. Er wünsche nicht, dass die „polnische Gans“ so lange gestopft wird, bis sie an „deutscher Verdauungsbeschwerden“ stirbt. Laut den Akten der Foreign Relations of the United States (FRUS) war Churchill überzeugt, dass ein beachtlicher Teil der britischen öffentlichen Meinung entsetzt wäre, wenn vorgeschlagen würde, Deutsche in großer Anzahl auszuweisen“.

I do not wish to stuff the Polish goose until it dies of German indigestion. I also feel conscious of the large school of thought in England which is shocked at the idea of transferring millions of people by force. Churchill, FRUS, Malta & Yalta, 720 (Matthews Minutes), vgl. auch 717 (Bohlen Minutes).

Churchill strebte so eine Umkehrung der Beschlüsse von Teheran an. Er wollte Deutschland auf die Bühne der Machtpolitik zurückkehren lassen, um das Vordringen der UdSSR in Europa einen „Westblock“ gegenüberzustellen und die „Sowjetisierung“ Osteuropas aufzuhalten. Die alliierte „Erklärung über das befreite Europa“, die in Anknüpfung an die britisch-amerikanische Atlantik-Charta vom 14. August 1941 das Selbstbestimmungsrecht der Völker zu verankern suchte, war leider (noch) nicht einklagbar.

Zusammengefasst kann man feststellen, dass die Konferenz von Jalta nach der Euphorie von Teheran nun eine erhebliche Ernüchterung in den Beziehungen zwischen den Westmächten und der Sowjetunion brachte: Die Grenzen der möglichen Zusammenarbeit wurden sichtbar. […] Lediglich Churchill hatte den Kurswechsel bereits vollzogen. Doch er war in Jalta weitgehend isoliert. Immerhin führte sein Verhalten dazu, dass Stalin den Sieg, den er in Teheran davongetragen hatte, in Jalta nicht vollenden konnte.Görtemaker, Potsdamer Konferenz

Die Westalliierten weigerten sich, verbindliche Entscheidungen über Polens Westgrenze zu treffen. Sie wollten einer von Stalin beherrschten polnischen Regierung keine Zugeständnisse machen. So einigten sie sich in nur auf „territorialen Zugewinn im Norden und Westen Polens“.

Quellen und weiterführende Hinweise

  • Bericht über die Krimkonferenz (gemeinsame Erklärung der drei Regierungschefs über die Ergebnisse der Dreierkonferenz auf der Krim)
  • Foreign relations of the United States (FRUS): The Conferences at Malta and Yalta, 1945, Washington, D.C.: U.S. Government Printing Office, 1945 [zitiert: FRUS, Malta & Yalta]
  • Friebe, Georg: Deutschlands Osten und sein östlicher Nachbar. Beiträge zur Geschichte und Zeitgeschichte Ostdeutschlands, Polens und der deutsch-polnischen Beziehungen, Eigenverlag, 2004. [zitiert: Georg Friebe]
  • Görtemaker, Manfred: Die Potsdamer Konferenz, in: SPSG u. Chronos-Film (Hg.), Schloss Cecilienhof und die Potsdamer Konferenz. Von der Hohenzollernwohnung zur Gedenkstätte, Chronos-Verlag, Berlin – Kleinmachnow – Potsdam, 1995. [zitiert: Görtemaker, Potsdamer Konferenz]
  • Zayas, Alfred Maurice de: Die Nemesis von Potsdam. Die Anglo-Amerikaner und die Vertreibung der Deutschen, überarb. u. erweit. Neuauflage,Herbig-Verlag, München, 2005. [zitiert: De Zayas, Nemesis]
  • Ebd: Die Deutschen Vertriebenen. Keine Täter, sondern Opfer. Hintergründe, Tatsachen, Folgen, Ares-Verlag, Graz, 2006, S. 133-137. [zitiert: De Zayas, Vertriebene]
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