Nationale Befreiungsbewegung Deutschland

Erste Phase vom 17. bis 25. Juli 1945

1. Allgmeines

Um 17 Uhr am 17. Juli 1945 begann die erste Plenarsitzung der „Großen Drei“. Im Konferenzraum im Schloss Cecilienhof in Potsdam bei Berlin drängten sich Reporter und Fotografen, die auf das Erscheinen von Josef Stalin (UdSSR, 1878-1953), Harry Truman (USA, 1884-1972) und Winston Churchill (England, 1874-1965) warteten.
Diese konnten jeweils durch separate Eingänge aus ihren Suiten und Arbeitsräumen in den Konferenzsaal gelangen.

Als die „Großen Drei“ sich am Tisch niederließen, machte Stalin seinen ersten geschickten taktischen Zug: Er trug Präsident Truman den Vorsitz der Konferenz an, brachte ihn damit in die Position eines Vermittlers zwischen der Sowjetunion und Großbritannien.Bauer/Tissier, Die Konferenz, 147.

Der amerikanische Präsident Henry Truman, wohl überrascht von der Übertragung des Vorsitzes, wich vom Programm ab und trug die wichtigesten vier amerikanischen Themen vor:

  1. Die Einrichtung eines „Rates der Außenminister“, die den Weg zu einer allgemeinen Friedenskonferenz ebnen sollten.
  2. Klare Richtlinien für den Alliierten Kontrollrat.
  3. Ein amerikanisches Memorandum, das das Abkommen von Jalta in Bezug auf die Behandlung der osteuropäischen Staaten infrage stellte.
  4. Die politische Unabhängigkeit Italiens und seinen wirtschaftlichen Wiederaufbau.

Stalin fügte als weitere Diskussionspunkte hinzu:

  1. Die Aufteilung der Bestände der deutschen Kriegs- und Handelsmarine.
  2. Die deutschen Reparationsleistungen
  3. Das Schicksal der deutschen Industrieregionen und eine sowjetische Beteiligung an deren Verwaltung.
  4. Die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen mit Deutschlands ehemaligen Satellitenstaaten…

Die Briten machten keine Vorschläge.

Die Errichtung des „Rates der Außenminister“ wurde einstimmig akzeptiert. Ebenso die von den Amerikanern im Vorfeld der Konferenz ausgearbeiteten „politischen und wirtschaftlichen Grundsätze“ für das Nachkriegsdeutschland.
In diesen Grundsätze waren die berühmten „4 D´s“ (engl.) enthalten: (Vgl. Görtemaker, Potsdamer Konferenz, 83f.)

  • Denazification
  • Demilitarization
  • Democratization
  • Decentralization

Das Kernanliegen der Grundsätze war die Aufteilung Deutschlands in Besatzungszonen. Jede der vier Großmächte (USA, UdSSR, England und Frankreich) sollte jeweils politische Handlungsfreiheit in ihrer Zone erhalten.

In Verbindung mit dem Prinzip der Einstimmigkeit der Entscheidungen im Alliierten Kontrollrat bedeutete diese Formulierung, dass die einzelnen Besatzungsmächte in ihren jeweiligen Zonen in der Lage waren, eine völlig eigenständige Politik zu betreiben, ohne dass der Kontrollrat sie daran hindern konnte.Görtemaker, Potsdamer Konferenz, 84.

Damit waren aber auch das Auseinanderdriften der Alliierten und die spätere Spaltung Deutschlands grundgelegt.

Die Frage der deutschen Reparationen spaltete die Alliierten am Meisten. Über mehrere Sitzungsperioden hinweg konnte keine Einigung erzielt werden.

2. Polen

Neben dem Thema „Neuordnung Deutschlands“ wurde die „Polen-Frage“ zu einem zweiten Schwerpunkt der ersten Phase:

Die USA trugen in den verschiedenen Gremien wiederholt ihre Kritik an der Sowjetunion wegen der Nichteinhaltung der „Deklaration über das befreite Europa“ vor. Churchill widersetzte sich vehement der Forderung Stalins, der Bitte der polnischen Regierung zu entsprechen und die Oder-Neiße als polnische Westgrenze zu billigen.Görtemaker, Potsdamer Konferenz, 84f.

Churchill und Truman lehnten die von Stalin und Polen geforderte Übertragung der Gebiete östlich der Oder und Lausitzer Neiße ab. Sie konnten sich eine Ausdehnung Polens höchstens bis zur Oder vorstellen, aber nicht weiter.

Bei der fünften Sitzung am 21. Juli 1945 wies Truman auf den deutschen Charakter der Gebiete an Oder und Neiße und auf die neun Millionen Deutschen hin, die dort ansässig waren.Vgl. De Zayas, Vertriebene, 138.

Churchill war ebenfalls nicht der Ansicht, dass es sich um polnisches Gebiet handele. Er betonte klar und deutlich, dass es für Polen nicht gut sei, „soviel deutsches Gebiet zu übernehmen“. Die Umsiedlung von 8 bis 9 Mio. Deutschen würde eine „schwere moralische Verantwortung für die Siegermächte bedeuten“. (Vgl. Görtemaker, Potsdamer Konferenz, 85.)

Nun rechneten die Anglo-Amerikaner nur mit einer begrenzten Zahl Umsiedler, gewiss nicht aus Mitleid mit den Deutschen, sondern aus praktischen Erwägungen im Hinblick auf konkrete Probleme des Nachkriegsaufbaus. Denn als die Alliierten die Gewalt über Deutschland übernahmen, wurden sie damit auch für Ernährung und Unterbringung der deutschen Bevölkerung verantwortlich.De Zayas, Vertriebene, 140.

Wie in Jalta unterstrich Churchill auch in Potsdam (6. Sitzung am 22. Juli) die moralischen Bedenken Englands gegen umfangreiche Bevölkerungsumsiedlungen. Sie könnten sich lediglich eine Ausweisung von ebenso vielen Deutschen vorstellen, wie Polen aus Ostpolen östlich der Curzon-Linie übersiedelten…

Wir haben überdies einige moralische Bedenken, ob eine Umsiedlung dieser Größenordnung erwünscht ist. Wir stimmen einer Umsiedlung im Prinzip zu, aber in der gleichen Größenordnung, in der Bevölkerung östlich der Curzonlinie umgesiedelt wird. Wenn es allerdings um die Umsiedlung von acht oder neun Millionen Menschen geht, so halten wir das für falsch.Churchill, 5. Sitzung, Potsdamer Konferenz. Vgl. auch FRUS, Potsdam Conference, 248 u. 268.

Stalin versuchte jedoch die deutsche Bevölkerungszahl in den Gebieten an Oder und Neiße kleinzurechnen. Er behauptete, dass kein einziger Deutscher in dem Territorium leben würde, woraufhin laut den Akten der Foreign Relations of the United States (FRUS) der amerikanische Admiral Leahy zu dem US-Präsidenten sagte: „Natürlich nicht, die ‚Bolschies‘ haben sie alle umgebracht.“ (FRUS, Potsdam Conference, 210.)

Schließlich sollte eine polnische Delegation ihre Sicht der Dinge auf der Potsdamer Konferenz deutlich machen:
Die polnische Regierungsdelegation, die am 24. Juli in Potsdam erschien – Präsident Bierut, stellvertr. Ministerpräsident Mikolajczyk (ehemaliger Ministerpräsident der polnischen Exilsregierung) und Außenminister Rzymowski -, minimierte die Zahl der Deutschen in den umstrittenen Gebieten auf anderthalb Millionen, von denen erwartet wurde, dass sie „freiwillig“ gehen würden.
Unbeugsam vertraten Bierut und auch Mikolajczyk ihren Anspruch auf Ostdeutschland bis zur Oder und Görlitzer (Lausitzer) Neiße.

Doch im Gegensatz zu diesen Schätzungen lebten hier noch mindestens vier Millionen Deutsche zur Zeit der Potsdamer Konferenz, während eine weitere Million zurückzukehren versuchte. Die Russen wie die Polen wussten es, doch weder Churchill noch nach ihm Attlee und Truman waren von dieser Tatsache unterrichtet, die sie unbedingt wissen mussten, um eine bindende Entscheidung über das Schicksal von Millionen Menschen zu treffen. Ein eiserner Vorhang verbarg ihnen die genaue Information.De Zayas, Nemesis, 135.

Die Potsdamer Konferenz musste hier unterbrochen werden, da in England die Wahlen zum Unterhaus anstanden. Churchill verlor die Wahl. Sein Nachfolger im Amt des Premierministers wurde Clement Attlee.

3. Quellen und weiterführende Hinweise

  • Bauer, Frank / Tissier, Tony Le: Die Konferenz im Schloss Cecilienhof, in: SPSG u. Chronos-Film (Hg.), Schloss Cecilienhof und die Potsdamer Konferenz. Von der Hohenzollernwohnung zur Gedenkstätte, Chronos-Verlag, Berlin – Kleinmachnow – Potsdam, 1995. [zitiert: Bauer/Tissier, Die Konferenz]
  • Foreign relations of the United StatesThe Conference of Berlin (the Potsdam Conference), 1945, Volume II, Washington, D.C.: U.S. Government Printing Office, 1945 [zitiert: FRUS, Potsdam Conference]
  • Friebe, Georg: Deutschlands Osten und sein östlicher Nachbar. Beiträge zur Geschichte und Zeitgeschichte Ostdeutschlands, Polens und der deutsch-polnischen Beziehungen, Eigenverlag, 2004. [zitiert: Georg Friebe]
  • Görtemaker, Manfred: Die Potsdamer Konferenz, in: SPSG u. Chronos-Film (Hg.), Schloss Cecilienhof und die Potsdamer Konferenz. [zitiert: Görtemaker, Potsdamer Konferenz]
  • Zayas, Alfred Maurice de: Die Nemesis von Potsdam. Die Anglo-Amerikaner und die Vertreibung der Deutschen, überarb. u. erweit. Neuauflage,Herbig-Verlag, München, 2005. [zitiert: De Zayas, Nemesis]
  • Ebd: Die Deutschen Vertriebenen. Keine Täter, sondern Opfer. Hintergründe, Tatsachen, Folgen, Ares-Verlag, Graz, 2006, S. 137-147. [zitiert: De Zayas, Vertriebene]
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