• 20.12.1939 Polnische Exilregierung – Rundfunkansprache
  • 24.09.1941 Außenminister Edward Raczynski – Rede in London
  • 02.12.1942 Polnischer Nationalrat – Kriegsziele
  • 18.12.1942 General Sikorski – Polnische Kriegsziele

20.12.1939 Rundfunkansprache der polnischen Exilregierung

Polen verlangt Grenzen, „die seine Sicherheit gewährleisten“

Von Paris aus richtete die polnische Exilregierung am 2. Dezember 1939 eine Rundfunk-Erklärung an das polnische Volk. Über den Inhalt wurde u.a. berichtet:

Sie anerkannte als ihre höchste Aufgabe die wirksame Teilnahme am Kriege, um das Land von der feindlichen Besetzung zu befreien und um Polen – außer einem unmittelbaren und breiten Zugang zum Meer – solche Grenzen zu verschaffen, die seine Sicherheit gewährleisteten.

Die Deutschen hätten ihre Erfolge bei dem Vordringen nach Osten in erster Linie der Geschicklichkeit, mit der sie die inneren Zwistigkeiten der Slawen ausnutzten, zu verdanken. Nun bestehe Polen darauf, dass die Solidarität der slawischen Staaten eines der Bollwerke der neuen politischen Organisation Ostmitteleuropas sein solle. Polen müsse ein demokratischer Staat werden. Seinen nationalen Minderheiten werde Gerechtigkeit, freie nationale und kulturelle Entwicklung und angemessener rechtlicher Schutz zugesichert werden.

Aus: The Bulletin of International News, Bd. XVI, Nr. 26, vom 30. Dezember 1939, S.50.

24.09.1941 Außenminister Edward Raczynski – Rede in London

Polen verlangt ein gesichertes und wirtschaftlich starkes Territorium

Anlässlich der Zustimmung zur Atlantik-Charta hielt der Außenminister der inzwischen nach London übergesiedelten polnischen Exilregierung, Edward Raczynski, am 24. September 1941 im St. James-Palast in London eine Rede. Er sagte u.a.:

Die polnische Regierung vertraut darauf, dass keine der unrechtmäßigen Handlungen, die Deutschland auf polnischem Boden ausgeführt hat, von den siegreichen Demokratien anerkannt wird, die das deutsche Volk schließlich überzeugen werden, dass eine Aggression sich nicht bezahlt macht. Insbesondere muss der polnischen Bevölkerung in den westlichen Provinzen, die so rücksichtslos umgesiedelt worden ist, die Gelegenheit gegeben werden, sofort in das Land ihrer Vorfahren zurückzukehren, und die deutschen Siedler, die auf polnische Höfe gesetzt worden sind, müssen ins Reich zurückgebracht werden.

Die polnische Regierung hat tiefes Zutrauen, zu dem Gerechtigkeitssinn Großbritanniens wie auch der Vereinigten Staaten, und sie ist daher überzeugt, dass Polen – das erste Land, das gegen den deutschen Angriff Widerstand geleistet und in diesem Kampf seine territoriale Unversehrtheit aufs Spiel gesetzt hat – aus diesem Krieg nicht mit einem Gebiet hevorgehen kann, das in Stärke und Bedeutung geschmälert ist. Die künftigen Grenzen Polens sollten die Sicherheit des Landes als Teil der allgemeinen Sicherheit Europas garantieren; sie sollten sowohl das lebenswichtige Bedürfnis Polens nach einem breiten Zugang zur See, der ausländischer Einmischung hinlänglich geschützt sein muss, als auch seine wirtschaftliche Entwicklung im Verhältnis zur Bevölkerungszahl sicherstellen. Polens „Freier Zugang zur See“, der in Punkt 13 der 14 Punkte Präsident Wilsons als Garantie für die Unabhängigkeit unseres Landes gefordert worden war, sollte diesmal wirklich frei und sicher gemacht werden.

Aus: War and peace aims I, S. 461ff.

02.12.1942 Polnischer Nationalrat – Kriegsziele

Der polnische Nationalrat in London fordert: Grenzen nach Westen verlegen, begradigen und verkürzen

Der Polnische Nationalrat war als Parlament im Exil erstmals im Januar 1940 in Paris zusammengetreten. Im Juni 1940 übersiedelte er ebenso wie die Exilregierung nach London. Seine Mitglieder wurden nach Vereinbarung mit den im Exil bestehenden Parteien vom Staatspräsidenten im Exil (vom 30.9.1939 bis 6.6.1947 war es W. Raczkiewicz) berufen. Im Jahre 1942 tagte nach Auflösung des ersten bereits der zweite Nationalrat (24.2.1942 bis 21.3.1945). Am 2. Dezember 1942 nahm der Nationalrat folgende Entschließung über die polnischen Kriegsziele einstimmig an:

Nach Anhören des Berichtes des Ministers für Kongressangelegenheiten Marian Seyda über die polnischen Kriegsziele und im Einklang mit dem Standpunkt dieses Berichtes stellt der Nationalrat fest, dass er an der Grundlage des Vertrages von Riga festhält. Was Deutschland betrifft, so drückt er die Überzeugung aus, dass es das Grundprinzip der polnischen Politik ist, sich um die Sicherung Europas gegen einen neuen deutschen Angriff zu bemühen. Zu diesem Zweck sollte Polen sowohl Sicherheit seiner Grenzen als auch die Vorbedingungen für eine friedliche wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung erhalten, indem ihm eine breite Anlehnung ans Meer und eine Grenze gegen Deutschland gegeben wird, die hinreichend nach Westen verlegt und begradigt und verkürzt werden sollte. Gleichzeitig stellt der Nationalrat fest, dass es zur Sicherung eines dauernden Friedens in Europa und einer freien Entwicklung der Völker notwendig ist, im östlichen Mitteleuropa eine enge Verbindung der Staaten zu schaffen, die durch gemeinsame Interessen und Ziele verbunden sind. Infolgedessen fordert der Nationalrat die Regierung auf, diese Angelegenheit unverzüglich und ausdrücklich in allen geeigneten Gebieten zu behandeln, auch in Großbritannien und Amerika.

Aus: Dokumentenband im Besitz des Polish Research Centre, London, S. 42-43. Nach einer Fotokopie. Übersetzung.

18.12.1942 General Sikorski – Polnische Kriegsziele

Sikorski wünscht eine polnische Besatzung bis zur Oder

Im Anschluss an seine Besprechungen mit dem amerikanischen Präsidenten hielt General Sikorski am 18. Dezember 1942 in Chicago eine Pressekonferenz ab, in der er auch auf die polnischen Kriegsziele einging. Auf verschiedene Fragen erwiderte er unter anderem:

Polen muss seine Unabhängigkeit wiedergewinnen, die eines der unerlässlichen Elemente eines gerechten und dauernden Friedens ist. Zur Sicherung des Friedens muss Polen einen erweiterten Zugang zur Ostsee haben. Seine Sicherheit wird bestimmte Grenzberichtigungen im Westen erfordern, um im Einklang mit der Atlantik-Charta Gebiete zu sichern, die von Menschen polnischer Abkunft bewohnt sind, die Jahrhunderte hindurch einer rücksichtslosen Eindeutschung ausgesetzt waren.

Die polnische Regierung strebt eine Konföderation Polens mit der Tschechoslowakei an, die in engem Einvernehmen mit der zwischen Griechenland und Jugoslawien geplanten Konföderation wirken soll. Diese Konföderationen können zur Grundlage eines künftigen Staatenbundes zwischen der Ostsee, der Adria und der Ägäis werden, der Mittel- und Osteuropa gegen einen abermaligen deutschen Angriff sichert und Russland an seiner westlichen Grenze schützt.

Aus: War and peace aims I, S.482-483.

In Bezug auf die militärische Besetzung Deutschlands nach dem Krieg sagte Sikorski:

Diese Angelegenheit ist unter den Vereinten Nationen noch nicht geregelt, und die Frage, auf welche Art und wie lange Deutschland besetzt werden soll, wartet noch auf ihre Entscheidung; aber wenn es so weit ist, wird Polen unzweifelhaft bei der Besetzung mitwirken. Ich hoffe, dass die polnischen Armeen zur Besetzung aller deutschen Gebiete östlich der Oder verwendet werden.

Aus: War and peace aims I, S.482-483.

Quellen und weiterführende Hinweise
  • Rhode, Gotthold u. Wagner, Wolfgang: Die deutschen Ostgebiete. Band III. Quellen zur Entstehung der Oder-Neisse-Linie, S. 13-21.